Was man auf Reisen evtl. vermisst...
Das Fernsehprogramm?
– Sehr unwahrscheinlich. Wenn doch – besser an der Adria, bzw. im
Bereich der Satellitenschüssel bleiben!
Die Nachrichten aus
Deutschland und aller Welt? – Muss nicht sein. Einen handlich-kleinen
Weltempfänger mitnehmen und Deutsche Welle hören!
Deutsche Bücher? –
Gut möglich. Unbedingt genügend Bücher mitnehmen und die ausgelesenen
Exemplare
mit deutschen Reisenden tauschen!
Kräftiges,
wohlschmeckendes Schwarzbrot? – Sehr wahrscheinlich! Das labberige
Schaumgummibrot, bevorzugtes Nahrungsmittel in USA, Kanada, Neuseeland
und Australien,
kommt dem Reisenden aus Germany spätestens nach ein paar Monaten
zu den Ohren raus.
Brot selbst backen, verschafft da aber Abhilfe.
Ein
kräftiges und wohlschmeckendes Brot zu backen ist beileibe nicht so schwierig
und umständlich wie in manchen Vollwert- und Biokochbüchern beschrieben. Es
muss weder über Nacht ein Vorteig ruhen, noch ist dazu unbedingt ein Sauerteig
oder Backferment nötig. Selbst reines Roggenvollkornmehl geht mit genügend
Hefe (ca. 3 Teelöffel auf 500 g).
Es
ist nicht mal ein eingebauter Gasbackofen nötig (was natürlich das
Nonplusultra wäre). Ein faltbarer Aufsatzbackofen von Coleman tut es auch. Den
gibt es dort, wo es Campingzubehör gibt. Weil dieser blecherne Faltofen von
Coleman aus den USA kommt, ist er jenseits des Großen Teichs natürlich günstiger
als bei uns. Am billigsten bekommt man ihn im Wal Mart!
| 500 g Vollkornmehl | (am sichersten gelingt das Brot bei einer Mischung von 50% Roggen- und 50% Weizen- oder Dinkelvollkornmehl. Bei einem höheren Roggenanteil reißt das Brot sehr leicht. Bei guter Roggenmehlqualität gelingt aber auch reines Roggenvollkornbrot.) |
| ca. 1 gestr. Esslöffel Salz | |
| Gewürze | (entweder gemahlener Kümmel oder eine Mischung aus Anis, Ingwer, Koriander und Kardamom) |
| 2 -3Teelöffel Trockenhefe | (entspricht 1-1½ Päckchen) |
| Evtl. 1-2 Esslöffel Trockensauerteig | (es geht auch ohne. Noch besser schmeckt das Brot mit echtem Sauerteig. Rezept s.u.) |
|
Ca.
4-5 Esslöffel Sonnenblumenkerne und 4 –5 Esslöffel Leinsamen |
(muss nicht sein, schmeckt aber besser) |
| Ca. 650 ccm lauwarmes Wasser | (Wie fest oder locker man das Brot mag, ist Geschmackssache. Aber wenn der Teig zu fest ist, reißt er leicht.) |
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Eine Kastenform fetten und mehlen (Die Form darf nicht zu groß sein,
sonst behindert sie die Umluft im Aufsatzofen).
In einer Schüssel das Mehl mit den übrigen Zutaten mischen. (Wer Lust
hat, kann die Trockenhefe vorher mit etwas
Zucker und handwarmem Wasser anrühren. Der Teig geht dann etwas schneller).
Die Zutaten und das warme Wasser mit dem Kochlöffel zu einem glatten
Teig verarbeiten (schlagen), bis er sich von der
Schüssel löst und leichte Blasen pufft, was relativ schnell geht. Man kann den
Teig natürlich auch kneten. Allerdings klebt
das Roggenmehl schrecklich an den Fingern. Hinterher ist jede Menge Wasser vonnöten,
um die Pampe wieder
abzuwaschen. Das ist unpraktisch wenn man wild campt und mit dem Wasser
sparen muss.
Brotteig in der abgedeckten Schüssel ca. ½ - ¾ Stunde gehen lassen,
danach den Teig nochmals kurz durchschlagen, in die
Form streichen und zugedeckt an einem warmen Platz gehen lassen. Je nach Außentemperatur
dauert die Prozedur
ca. 45 - 120 Minuten. Eilige können sich das 1. Gehen in der Schüssel auch
schenken.
Faltbackofen aufbauen, auf die Gasflamme stellen und rechtzeitig
vorheizen. Gasflamme auf höchste Stufe drehen! Brot in
den Ofen schieben und für die ersten 3-5 Minuten ein kleines Metallgefäß mit
Wasser auf den Boden des Ofens stellen
(Damit das Brot an der Oberfläche nicht einreißt). Je nach Heizwert des
getankten Gases, bzw. der Leistung der Gasflamme,
das Brot auf die untere Schiene
oder in der Mitte einschieben. (Im Elektroherd 30 Minuten bei 220° backen,
dann herunterschalten auf 190 – 200°.)
Backzeit ca. 70 Minuten. Es empfiehlt sich, das Brot nach der Hälfte der
Backzeit aus der Form zu nehmen und herumzudrehen
Der Faltbackofen funktioniert übrigens auch auf dem Gasgrill im Freien.
Das ist praktisch, wenn man bei großer Hitze nicht
noch zusätzlich das Wohnmobil aufheizen will.
Wenn man mit dem Löffel aufs Brot klopft und es hohl klingt, ist das
Brot fertig. Jetzt vermisst man auf Reisen nicht mal
mehr "den Bäcker um die Ecke".
Sauerteigansatz:
ca. 100 g Roggenvollkornmehl und 0,2 l lauwarmes Wasser vermischen und gut
zugedeckt (Plastikdose mit fest schließendem Deckel)
bei ca. 20-24 °C stehen lassen. Nach 2-3 Tagen hat der Brei Bläschen
gebildet und ist aufgegangen. Nochmals 100-200 g Mehl sowie warmes Wasser
dazugeben und weitere 24 Stunden stehen lassen, bis sich ein schaumiger, leicht
säuerlich riechender Teig gebildet hat. (Achtung, der Teig darf sich nicht grünlich
verfärbt oder Schimmel gebildet haben!) Diesen Sauerteig kann man nun statt
Trockensauer dem Brotteig zugeben. Vom fertigen Brotteig einen Klumpen Teig als
Sauerteigbasis für das nächste Brot abzweigen und mit etwas Mehl verkrümelt
im Kühlschrank aufheben. (Sonnenblumenkerne u.ä. sollten in diesem Fall erst
danach zugegeben werden!) Am Vorabend des nächsten Backtages (wenn erst am
Abend gebacken wird, reicht der Morgen des gleichen Tages) ähnlich wie beim
Sauerteigansatz nochmals Mehl und warmes Wasser zugeben und gehen lassen. Die
Zugabe von
Trockenhefe empfiehlt sich trotz Sauerteig.
Ein
kleiner Nachteil des obigen Rezeptes: Einmal daran gewöhnt, schmeckt der
Familie auch daheim in Deutschland das Bäckerbrot nicht mehr.
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